ZH–REFORMATION
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Jubiläum



Im Kontext der europaweiten Reformationsfeierlichkeiten haben Kanton und Stadt Zürich, die Evangelisch-reformierte Landeskirche, der Reformierte Stadtverband und Zürich Tourismus den Verein 500 Jahre Zürcher Reformation ins Leben gerufen und ein Budget von 13,8 Mio. Franken bereitgestellt. Barbara Weber, Regisseurin und ehemalige Co-Direktorin des Theater Neumarkt, und Martin Heller, Kurator und Kulturunternehmer, wurden mit der inhaltlich-kuratorischen Gesamtleitung beauftragt. Sie setzen bei der Aktualität der Reformation an und verlegen den Fokus von einem innerkirchlichen Ereignis auf die spürbaren Nachwirkungen und gesellschaftlichen Prägungen des heutigen Zürich. Aus dieser kritisch-neugierigen Haltung heraus entwickeln sie ein facettenreiches Langzeit-Festival, das sich von Mitte 2017 bis Anfang 2019 über verschiedenste Spielstätten in der gesamten Stadt verteilt. Dabei kooperieren sie mit den grossen Institutionen Zürichs (u.a. Schauspielhaus, Opernhaus, Theater Neumarkt, Universität, Landesmuseum) genauso wie mit freischaffenden KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen aus ganz Europa.

 

 

 

 

REFORMATION


In der Reformation des 16. Jahrhunderts entstanden drei kirchliche Richtungen: Lutheraner, Reformierte und Täufer. Zürich war der Ursprungsort des Reformiertentums und mit dem Auftreten der ersten Täufer Geburtsort des evangelischen Freikirchenwesens

 

Beginn der Reformation in Zürich
Als Jubiläumsjahr der Reformation in Zürich gilt seit jeher das Jahr 1519 mit dem Amtsantritt Huldrych Zwinglis (1484-1531) als Gemeindepfarrer („Leutpriester“) am Grossmünster. Zwingli war unabhängig von Luther zu den grundlegenden reformatorischen Einrichten gelangt: die Bibel ist alleinige Autorität, Grundlage und Quelle der wahren Lehre Christi, und das Heil allein in Christus zu finden. Seine Predigt verkündigte die „fröhliche Botschaft Christi“. Sie richtete sich dabei gegen das ganze römisch-katholische Kirchen- und Frömmigkeitswesen, aber auch gegen das Geschäft mit der Vermittlung Schweizer Söldner ins Ausland. Sie führte zu immer heftigeren Auseinandersetzungen in Zürich und mit dem Bischof.
Der Zürcher Rat lud schliesslich auf den 29. Januar 1523 zu einer öffentlichen Verhandlung („Disputation“) über Zwinglis Lehre ein. Als Ergebnis wurde die schriftgemässe Predigt nach dem Vorbild Zwinglis für die ganze Zürcher Geistlichkeit als verbindlich erklärt. Der Rat hatte damit die kirchliche Autorität der römisch-katholischen Kirche abgelöst und die Verantwortung für die Durchführung der Reformation übernommen.


Die Täufer

Eine Gruppe der eifrigsten Anhänger und Anhängerinnen Zwinglis um Felix Manz und Konrad Grebel war bald unzufrieden mit dem Gang der staatlichen Reformation. Sie zielten auf eine bekennende Gemeinde nach dem Vorbild des Neuen Testamentes. Ihr Kennzeichen wurde die Verweigerung der Kindertaufe, und damit die Gehorsamsverweigerung gegen die Obrigkeit. Im Januar 1525 fanden in Zürich und Zollikon die ersten Erwachsenentaufen statt. Zwingli hielt aber am Ziel einer Reformation der ganzen Staatsgemeinschaft fest. Nach jahrelangen erfolglosen Bemühungen zur Rückgewinnung nahm er die Abspaltung der Täufer und Täuferinnen schweren Herzens in Kauf. Der Rat ging nun mit Bussen, Gefängnis, Verbannung und schliesslich Hinrichtungen gegen die Täufer vor. So wurde Felix Manz als erster von insgesamt sechs Täufern durch Ertränken in der Limmat hingerichtet. 2004 haben Stadt und Kirche Zürichs die Nachkommen der Täuferinnen und Täufer um Vergebung gebeten und an der Limmat bei der Schipfe einen Gedenkstein für die Opfer angebracht.


Zürich und die Eidgenossenschaft
1528 schloss sich Bern der Reformation an, 1529 folgten Basel und Schaffhausen. Auch in vielen andern Kantonen und den von den Eidgenossen gemeinsam regierten Untertanengebieten waren reformatorische Bestrebungen erfolgreich. Die „innern Orte“, die Urkantone, Luzern und Zug, unterdrückten diese in ihrem Machtbereich gewaltsam. Zwingli forderte dagegen die freie Predigt des Evangeliums in der ganzen Eidgenossenschaft, die Reformation in den Untertanengebieten und die Abschaffung des Söldnerwesens. Seine Appelle – getragen von der Überzeugung, vor Gott für die ganze Eidgenossenschaft verantwortlich zu sein – blieben vergeblich. So befürwortete er schliesslich ein militärisches Vorgehen. Der erste Kappeler Krieg endete 1529 friedlich („Kappeler Milchsuppe“), aber ergebnislos; im zweiten Kappeler Krieg erlitt Zürich eine Niederlage mit der Schlacht bei Kappel am 31. Oktober 1531 und Zwingli fand dort den Tod. Die konfessionelle Spaltung der Eidgenossenschaft blieb danach über Jahrhunderte bestehen.


Festigung und Ausbreitung der Zürcher Reformation
Nach Zwinglis Tod übernahm Heinrich Bullinger (1504-1575) die Leitung der Zürcher Kirche und wurde zu ihrem mindestens so bedeutenden zweiten Reformator. Er gab der Kirche eine Prediger- und Synodalordnung und eine Gottesdienstordnung, die jahrhundertelang galten. Nach der endgültigen Trennung von Luther in der Frage des Abendmahlverständnisses (sichtbar seit 1529 im Gespräch mit Zwingli in Marburg) einigte sich Bullinger darüber 1549 mit Calvin, was zu einem Zusammenschluss der Reformierten führte.
Bullinger machte Zürich zu einer Heimat und Hilfsquelle für Glaubensflüchtlinge. Mit seinem riesigen Briefwechsel nahm er Einfluss auf die Reformation in ganz Europa. Seine Werke, vor allem die gedruckten Predigten, fanden über Europa hinaus Verbreitung. Sein „Zweites Helvetisches Glaubensbekenntnis“ von 1566 wurde nicht nur sofort von allen Schweizer Kirchen unterschrieben, sondern weltweit bis in die Gegenwart Grundlage verschiedener reformierter Kirchen. Das umfassende Verständnis der biblischen Botschaft als Gottes Bund mit den Menschen, die Hochschätzung von Arbeit und Bildung und die Forderung christlicher Verantwortung für Staat und Gesellschaft gehen unter anderem auf die Zürcher Reformation zurück.

 

 

 

KURATORIUM


Das Zürcher Reformationsjubiläum: Die Chance

 

Barbara Weber, Martin Heller

 

 Jubiläen sind so etwas wie Momente der Wahrheit. Weil daran deutlich wird, welche Bedeutung dem historischen Geschehen, um das es geht, jeweils eingeräumt wird. In fröhlicher Vereinfachung: Entweder verlegen sich die Jubilierenden auf die vorbehaltlos festlich grundierte Erinnerung an das, was war. Oder sie nehmen die runde Zahl zum Anlass, genauer hinzusehen auf das, was aus der Geschichte geworden ist, und versuchen, die Feier als kulturelle Reflexion zu verstehen und als soziales Lernen mit besonderen Möglichkeiten.

 

Für uns macht nur der zweite Weg Sinn. Umso mehr, als der Rückblick auf die Zürcher Reformation eine spezifische Herausforderung ist. Zumal dann, wenn es nicht um die religiöse und kirchengeschichtliche Würdigung geht, sondern um eine säkulare und gesellschaftliche Auseinandersetzung und Wertung – so der Auftrag, den sich der Verein «500 Jahre Zürcher Reformation» selbst gegeben hat.

 

Denn in Zürich selbst ist das Verständnis des lokalen Reformationsgeschehens umstritten. Wo die einen im reformatorischen Umsturz den Ursprung allen Wohlstands und einer Reihe fundamentaler sozialer Fortschritte sehen, von denen Stadt und Kanton noch heute profitieren, rümpfen die andern die Nase ob der noch immer in allen Winkeln des Alltags lauernden zwinglianischen Enge und Lustfeindlichkeit, und die dritten sind heilfroh darüber, dass das international trendige Zürich diesen unsäglichen Teil seiner Geschichte nun doch definitiv überwunden habe.

  

Also muss sich das Reformationsjubiläum solchen Ambivalenzen stellen, indem es nach deren Gründen fragt. Und sich sowohl dem vertieften Verständnis dessen widmet, was vor fünfhundert Jahren geschehen ist und weit mehr als bloss die Zürcher Welt verändert hat, wie auch den Vorurteilen und Zerrbildern, an denen es im Nachleben der Reformation bis heute nicht mangelt, und die eine besondere Wirkungsgeschichte konstituieren.

  

Diese Perspektive soll keinesfalls theoretisch trocken, sondern anhand von attraktiven kulturellen und interkulturellen Projekten und Veranstaltungen bearbeitet und erfahrbar gemacht werden. Ganz aus der Perspektive des Hier und Jetzt, und in einer Vielfalt der Formen und Zugänge, die der Breite des Publikums und seinen Interessen gerecht wird – das Jubiläum richtet sich bewusst und in erster Linie an die Zürcher Bevölkerung, die damit ein Stück eigene Geschichte und Prägung nachvollziehen kann, aber natürlich auch an Besucherinnen und Besucher oder Gäste.

 

Wie wir beide auch, sind viele unserer Partner und Komplizen, die wir im Laufe der Vorbereitung bereits gefunden haben und noch finden werden, alles andere als Expertinnen und Experten für die Belange der Zürcher Reformation. Aber sie teilen mit uns die Neugier, herauszufinden, worum es geht, wenn wir über Huldrych Zwingli, sein Handeln und seine Zeit nachdenken und dabei rasch in einer Gegenwart landen, in der die reformierte Kirche mit massivem Mitgliederschwund zu kämpfen hat und einstige Gewissheiten über Glaubenshaltungen und Glaubensfragen nicht mehr gelten, sondern von einem mehr oder weniger unverbindlichen Diskurs der Vermutungen und Spekulationen abgelöst wurden. Dazu kommt die Lust an einer Thematik, die wir uns nicht zuletzt deshalb zu eigen gemacht haben, weil wir sie als bereichernd erfahren, weil sie willkommene Sinnfragen aufwirft und weil sie gerade Nicht-Spezialisten immer wieder mit unerwarteten Entdeckungen lockt.

 

Vor diesem Hintergrund bietet das Zürcher Jubiläum die grosse Chance, zum Ende des Lutherjahres und die darauf referierenden Schweizer Reformationsfeiern, die einiges an öffentlicher Aufmerksamkeit geschaffen haben, sich nun der eigenen lokalen Verhältnisse annehmen zu können. Über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren hinweg, von Mitte 2017 bis Anfang 2019, mit einer Vielzahl von Mitwirkenden und im ständigen Versuch, zusammen mit den Fakten der Zürcher Reformation auch deren prägende Wirkungen zu bearbeiten und zu vermitteln, über eindringliche, eindrückliche und nachhaltige Veranstaltungen und Angebote.

 

Wir verstehen und formen das Reformationsjubiläum deshalb auch nicht als ein kompaktes Festival, dessen Dichte zwangsläufig Übersättigung produzieren würde. Unsere Vorstellung ist vielmehr die einer weitläufigen, mit Zürcher Kultureinrichtungen sowie anderen Institutionen und Anbietern verknüpften Programmlandschaft. Diese Landschaft ermöglicht und provoziert beim Erkunden immer wieder neue und überraschende Begegnungen mit Aspekten der Reformation gestern und heute, eingebettet in den kulturellen Alltag der Stadt, aber kenntlich gemacht als Teile einer übergreifenden, aus dem Erbe der 500 Jahre gewonnenen Erzählung.

 

Letztlich geht es um das Paradoxon eines würdigen und respektvollen Spektakels – Zürich im Blick auf sich selbst. Keineswegs als Nabelschau, sondern getrieben vom Anspruch einer durch beträchtliche öffentliche Mittel ermöglichten Überprüfung einer gesellschaftlichen Disposition, deren Resultate glücklicherweise nur zum Teil absehbar sind. Das grosse Bild, das aus dem Jubiläumsprogramm entstehen wird, ist ein Versuch, die Geschichte der Reformation fortzuschreiben und zu nutzen: zur Neubestimmung einer ebenso komplexen wie grundlegenden Beziehung.

 

 

 

VEREIN


Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten gedenkt ganz Europa der Reformation. Aus diesem Anlass haben der Kanton Zürich, die Stadt Zürich, die Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich, der Reformierte Stadtverband Zürich und Zürich Tourismus gemeinsam den Verein «500 Jahre Zürcher Reformation» ins Leben gerufen. Dieser Verein koordiniert und begleitet vielfältige kulturelle Projekte, um die Bedeutung der Reformation für das heutige Zürich in Erinnerung zu rufen und die Auseinandersetzung damit zu fördern.

 

Dem Vereinsvorstand gehören an: der Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Landeskirche, Michel Müller (Präsident); die Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich, Jacqueline Fehr; die Zürcher Stadtpräsidentin, Corine Mauch; der Direktor von Zürich Tourismus, Martin Sturzenegger; der Präsident des Reformierten Stadtverbandes Zürich, Andreas Hurter.

 

Die Geschäftsstelle des Vereins wird geleitet von Stefan Grotefeld.

 

 

Mit der inhaltlich-kuratorischen Gesamtleitung sind beauftragt: Barbara Weber, Regisseurin und ehemalige Co-Direktorin des Theaters Neumarkt, und Martin Heller, Kurator und Kulturunternehmer.

 

Der Verein «500 Jahre Zürcher Reformation» wird durch Subventionen seiner Mitglieder finanziert. Zum Gesamtbudget in der Höhe von 13,8 Mio CHF tragen in Form von Cash und Sachleistungen bei: Kanton Zürich (Lotteriefonds) 8,5 Mio. Stadt Zürich 2,5 Mio. Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich 1,4 Mio, Reformierter Stadtverband Zürich 0,5 Mio, Zürich Tourismus 0,9 Mio.

 

Grundlegende Erörterungen zu den Beiträgen der Öffentlichen Hand finden sich insbesondere im Antrag des Regierungsrates des Kantons Zürich an den Kantonsrat vom 15. Juni 2016 (RRB 588/2016) sowie in der Weisung des Stadtrates von Zürich an den Gemeinderat vom 16. März 2016 (GR Nr. 2016/77).

 

Kontakte:

 

Verein «500 Jahre Zürcher Reformation»

 

Vorsitz Geschäftsleitung: Dr. Stefan Grotefeld

Präsident: Pfr. Michel Müller

 

c/o Ev.-Ref. Landeskirche des Kantons Zürich

Postfach, Hirschengraben 50, CH-8024 Zürich

 

T +41 44 258 91 52, T +41 44 258 91 11

verein@zh-reformation.ch

 

Inhaltlich-kuratorische Gesamtleitung: Barbara Weber, Martin Heller

 

c/o Heller Enterprises

Giessereistrasse 5, CH-8005 Zürich

 

Barbara Weber

M +41 79 507 79 29

barbara.weber@zh-reformation.ch

 

Martin Heller

T +41 43 233 91 37

martin.heller@zh-reformation.ch

 

Kommunikation: Reference Image AG 

Reference Image AG

Hohlstrasse 400, CH-8048 Zürich

 

T +41 43 321 20 00

nicole.schwyzer@zh-reformation.ch